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Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern weil Gott es mit uns lebt. – Alfred Delp

Dieses Wort von Pater Alfred Delp (1907–1945) bringt auf den Punkt, was Sinn und Geist unseres Internates ist. Nachlassende schulische Leistungen haben unsere Schüler nicht nur zu schlechten Noten, sondern auch in die Unzufriedenheit geführt. Manchmal haben sich Familiensituationen so gestellt, dass neues Vertrauen in Bleibendes gesucht wird.

„Dem Leben trauen …“ – Das heißt für unseren Internatsalltag, dass der Schüler (wieder) lernt, sich selbst zu vertrauen; seinen Fähigkeiten und Stärken, die manchmal (neu) geweckt werden müssen. Sich selbst vertrauen bedeutet, auch den gewesenen Misserfolgen in der Weise zu trauen, dass sie Ausgangspunkt zu einem neuen Aufbruch sein können. Neu aufbrechen kann nur der, der um Menschen weiß, die zu ihm stehen, ihn unterstützen und immer wieder ermutigen. Das ist Auftrag unserer Erzieherinnen und Erzieher, sowie aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diesem Auftrag stellen wir uns gerne in einem unverzichtbaren Miteinander von Internat und Elternhaus, sowie Internat und den Schulen.

Für viele unserer Schüler geschieht Neu-Aufbruch hinein in Bereiche, die für andere selbstverständlich scheinen. Werte wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Dienste zum Wohl der Hausgemeinschaft sind zuweilen fremd. Benehmen bei Tisch, Freundlichkeit und Respekt Erwachsenen und Gleichaltrigen gegenüber ist ein Feld, das viele neu entdecken.

Schüler, die in unserer Hausgemeinschaft leben wollen, lernen den gesunden Ausgleich von Arbeit und Freizeit. Sie wissen – und es ist ihr ausgesprochener Wunsch – dass sie in den Silentiumszeiten begleitend ihre Hausaufgaben anfertigen, Klassenarbeiten vorbereiten und den Nachhilfeunterricht besuchen, wenn dieser angezeigt erscheint. Hier liegt sicher der Schwerpunkt unseres Hauses. Die festen Arbeitszeiten gelingen aber nur, wenn es den gesunden Ausgleich, die Freizeit gibt. Unser Haus bietet dazu viele Möglichkeiten in den unterschiedlichen Freizeitbereichen. Wir sehen es gerne, wenn unsere Schüler Sportvereine u. ä. aufsuchen, um ihren je eigenen Interessen nachzugehen. Der Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern der eigenen Klasse bzw. Schule sollte dabei nicht zu kurz kommen. Mitschülerinnen und – schüler sehen wir gerne als Gäste in unserem Haus.

„Dem Leben trauen …“ – weil Gott es mit uns lebt! Das ist gleichsam der Ausgangspunkt, von dem aus wir unser Leben im Internat gestalten. Das Leben, Lernen, Denken und Fühlen des einzelnen Schülers mit den Augen Gottes anzuschauen, hilft uns, klar und eindeutig, barmherzig und verstehend, fordernd und großzügig, vor allem auch versöhnend zu sein. Dass Gott so ist, erfahren wir im gemeinsamen Beten, bei der Feier des Gottesdienstes, im Empfang der Sakramente, bei Glaubens- und Beratungsgesprächen mit Einzelnen und in den Gruppen.

„Dem Leben trauen …“ – dazu gehört der Blick über unser Haus hinaus in Vorträge und Konzerte, hin zu Gästen, die aus ihrem Leben und Arbeiten berichten, hinein in unsere Stadt Attendorn, zu der wir als feste Institution gehören.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern weil Gott es mit uns lebt.“

Uns belastet, dass in der Vergangenheit gerade junge Menschen in kirchlichen Internaten und anderen Institutionen sexuell und körperlich missbraucht wurden. Nicht wenige haben grenzwertige Erziehungsmaßnahmen erlebt. In unserem Internat möchten wir gerade in diesen Zeiten dazu beitragen, dass das Evangelium und die Gemeinschaft der Christen einen guten Weg aufzeigen, dem Leben zu trauen.

 Michael Lütkevedder, Präses

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